Ein kurzes Interview mit der Autorin:
Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?
Das Schreiben war für mich von Anfang an ein Zufluchtsort. Als Careleaverin wuchs ich in Strukturen auf, die wenig Sicherheit boten. Die Sprache jedoch bot sie mir. Worte wurden zu meinem inneren Zuhause, einem Ort, an dem ich Welten erschaffen konnte, die friedlicher waren als die reale. Schreiben wurde mein Halt, mein Kompass, mein Weitergehen.
Ist dies Ihre erste Veröffentlichung?
Ja. Nach einem Beitrag in Ihrer Anthologie »Lyrik und Prosa unserer Zeit« ist »Homo Universale« mein erstes eigenes Buch.
Schreiben Sie schon länger?
Seit meiner Kindheit. Aber erst jetzt habe ich den Mut gefunden, meine inneren Räume mit der Welt zu teilen.
Was waren Ihre Beweggründe, dieses Buch zu schreiben?
»Homo Universale« ist eine literarische und existenzielle Rückkehr.
Ich schrieb es, während ich mich gerade aus der Obdachlosigkeit zurück ins Leben kämpfte. In dieser Phase wurde die erschaffene Welt für mich zu Hoffnung, Kraft und Orientierung. Das Buch erzählt von meiner Heimkehr zu mir selbst und vom Mut, für Gerechtigkeit, Bewusstsein und Menschlichkeit einzutreten.
Gab es einen Antrieb aus dem Familien- oder Freundeskreis, das Buch zu veröffentlichen?
Nein. Die Entscheidung entstand in völliger Stille. Ich spürte einfach: Dieses Buch möchte geteilt werden. Vielleicht inspiriert es Menschen, in sich selbst den Kosmos zu entdecken und Veränderung nicht zu fürchten, sondern zu umarmen.
Woher kam die Idee/die Inspiration zu Ihrem Buch?
Mich beschäftigt seit Jahren eine Frage:
Wer sind wir unter all den Schichten, die uns Gesellschaft, Erwartungen und Rollen überstülpen?
Ich suchte Antworten außen und fand keine. Erst die Reise nach innen öffnete den Zugang. »Homo Universale« ist die literarische Verdichtung dieser inneren Entfaltung.
Haben Sie bereits ein neues Buch in Planung?
Ja, es wächst bereits.
Können Sie schon etwas darüber verraten?
Es wird eine Antwort sein auf die offenen Fragen, die ich bewusst in »Homo Universale« gelassen habe.
Das neue Buch beschreibt eine Welt, in der die Heimkehr zu sich selbst die äußere Realität transformiert. Vielleicht fühlt sie sich an wie ein irdisches Paradies: ein Raum, in dem Bewusstsein Materie formt.
Wo schreiben Sie am liebsten?
Auf meiner Couch, in völliger Stille. Dort öffnet sich der Raum zwischen meinem Leben und meinen Geschichten.
Haben Sie bestimmte Schreibrituale?
Ich entzünde eine Kerze. Sie begleitet mich wie ein stilles Licht in den Pausen zwischen den Worten.
Was lesen Sie selbst gerne für Bücher?
Als PPE-Studentin bewege ich mich gerne in philosophischen Tiefen, von Hegel über Habermas bis Fromm.
Gleichzeitig liebe ich die Klassiker: Austen, Tolstoi, de Beauvoir.
Ich lese nicht nur, ich analysiere, frage, rekonstruiere. Jedes Buch ist ein Denkraum.
Was ist Ihr Lieblingsbuch?
Erich Fromms »Haben oder Sein«. Mit 19 habe ich es gelesen und erstmals verstanden, dass Wissen, Weisheit und Klugheit unterschiedliche Welten sind. Fromm hat meinen inneren Kompass geprägt.
Welches Buch liegt aktuell auf Ihrem Nachttisch?
Mark Aurels »Selbstbetrachtungen«. Ein Geschenk, und eine Erinnerung daran, im Moment zu leben. Seine stoische Klarheit beruhigt meinen Geist.
Haben Sie manchmal Schreibblockaden? Was tun Sie, um diese zu lösen?
Ja, diese bestehen. Ich sehe sie als natürlichen Teil des kreativen Prozesses.
Dann gehe ich in die Natur. Eine Wanderung, eine Meditation, die Umarmung eines Baums. Die Stille des Waldes lässt die Ideen zurückkehren wie Maiglöckchen, die durch die Erde brechen.
Was machen Sie gerne in Ihrer Freizeit?
Ich engagiere mich für Kinderrechte. Als Careleaverin kenne ich die Realität von Kinderarmut aus eigener Erfahrung.
Daher organisiere ich Workshops u.a. für die Heinrich-Böll-Stiftung, halte Vorträge und engagiere mich im Careleaver e.V.
In meinen ruhigen Momenten liebe ich Yoga, Tanz, Theater und Momente der Erdung in der Natur.
Dieses Interview darf unter Angabe der Quelle (Karin Fischer Verlag 2025) verwendet werden.

